Attraktive Portraitfotos: Tipps vom Profi-Fotografen

Ob fürs LinkedIn-Profil, die Bewerbung oder auf der Firmenwebsite: Ein Bild ist entscheidend und sagt oft mehr als 1000 Worte. So braucht das Gehirn gerade einmal eine Zehntelsekunde, um sich eine erste Meinung vom Gegenüber zu machen. Daher heisst es auch so schön, dass Du nur eine Chance hast, um einen guten ersten Eindruck zu hinterlassen.

Fotoshooting mit Manuela Schlumpf vom Uster Report
Fotoshooting mit Manuela Schlumpf vom Uster Report

Worauf gilt es also zu achten für ein schönes, charakteristisches Portraitbild? Hierzu befragt Manuela Schlumpf vom Uster Report Alex Lörtscher, der in Uster im eigenen Fotostudio als professioneller und passionierter Fotograf arbeitet. Die wichtigsten Tipps für Deine Portraitfotos findest Du in diesem Beitrag.

Live am Bahnhof anstatt Zoom

Das erste Treffen der beiden findet digital per Zoom-Interview statt. Dann lässt sich Manuela überreden, in verschiedenen Kamera-Modi herzuhalten. So sind die Unterschiede am besten ersichtlich.

Also treffen sich die Reporterin und Alex eine Woche später live. Ausrüstung: iPhone-Handykamera. Licht: Pralle Sonne von oben. Location: Uster Bahnhof.

Zuerst etwas Theorie zur Portraitfotografie

Es gibt hunderte Tipps fürs perfekte Fotolächeln, für den interessanten Blick, für die selbstbewusste oder die kilokaschierende Pose. Mit diesen fünf Punkten konzentrierst Du Dich auf die wichtigsten grundlegenden Merkmale, wie ein gutes Bild entsteht:

1.    Lokalität

2.    Licht

3.    Perspektive und Posing

4.    Technik

5.    Emotion

Auch die Nachbearbeitung ist wichtig. Je mehr Du jedoch im Vorfeld richtig machst, desto weniger muss nachgearbeitet werden.

Lokalität

Grundsatzfrage: Soll das Portraitfoto drinnen oder draussen aufgenommen werden? Was sind die Möglichkeiten? Die Person soll ideal positioniert werden, damit der Kontrast und Hintergrund passen. Dieser soll ruhig und dezent sein und farblich zur Person und ihrer Kleidung passen.

Idealerweise mit einem hohen Kontrast zwischen hellen und dunklen Elementen im Bild. Komplementärfarben haben eine sensationelle Wirkung – wie wäre es beispielsweise mit der Kombination aus Gelb und Blau oder Rot und Grün?

Licht

Am besten wirkt natürliches Licht, fotografiere also nach Möglichkeit draussen. Dabei aber nicht direkt in der Mittagssonne, das ist zu grell. Wähle lieber einen bewölkten, statt strahlend-sonnigen Tag.

Die Lichtverhältnisse während Sonnenaufgang oder -untergang sind am besten: Sie verstärken die Farben und erzeugen schmeichelhaftes, weiches Licht. Falls nicht anders möglich, schirme das starke Sonnenlicht von oben ab.

Ideal ist diffuses Licht, beispielsweise durch einen Vorhang oder indirektes Licht. Fotografierst Du in Innenräumen, hältst Du als Model das Gesicht zum Fenster, die Kamera platzierst Du dazwischen.

Perspektive und Posing

Der dritte wichtige Portraitfoto-Tipp, den Alex Manuela an die Hand gibt: Die Perspektive und das Posing. Dabei gibt es einen wichtigen Grundsatz, gewissermassen das «A und O» der Perspektive: Nicht von oben und nicht von unten, sondern auf Augenhöhe fotografieren.

Ein Profitipp von Alex: Falls passend, kannst Du ein ganz wenig von unten fotografieren, so wirken Führungskräfte autoritär(er). Von oben ist ein absolutes No-Go! Das fällt insbesondere bei Kindern und Tieren auf, die dadurch nochmals mickriger wirken. Hier unbedingt in die Hocke – oder sogar auf den Boden liegen.

Zum Posing: Gerade Linien sind langweilig, stehe lieber etwas seitlich zur Kamera statt Dich frontal zu positionieren. Drehe den Körper im 45-Grad-Winkel und richte die Schultern zur Kamera hin aus. Das sorgt für mehr Dynamik.

Technik

Wichtig ist, dass Du die Technik beherrschst. Egal, ob mit Spiegelreflexkamera oder mit Deinem iPhone. Alex verrät Manuela einen seiner Leitsprüche:  «Das beste Foto gelingt Dir nicht mit der teuersten Kamera, sondern mit der in Deinen Händen.»

Denn die richtigen Einstellungen bewirken Wunder. Profis verwenden bei der entsprechenden Ausrüstung ein Portrait-Objektiv, beim Smartphone – was völlig ausreicht - wählst Du den Portrait-Modus. So entsteht das Portrait mit dem Teleobjektiv und nicht mit dem Weitwinkelobjektiv Deines Handys.

Setze zudem nur den Menschen in den Fokus, den Hintergrund stellst Du unscharf. Von Selfies für seriöse Fotos rät Alex Manuela gänzlich ab - aufgrund des zu kleinen Abstandes und der schlechteren Frontkamera leidet nicht nur die Qualität des Bildes, sondern auch das gesamte Gesicht durch die verzogenen Proportionen. Wenn Du dennoch alleine fotografieren willst oder musst, verwende ein Stativ mit Selbstauslöser oder einen Selfiestick, der Deinen Arm künstlich verlängert.

Emotion

Letztlich zählt die Emotion, der Ausdruck. Auf Knopfdruck natürlich und gewinnend zu lachen, gelingt selten. Da liegt es am Fotografen, seinem Gegenüber mit Ablenkung und Provokation die gewünschte Ausstrahlung zu entlocken.

Ein versteinertes 5-Minuten-Lächeln kommt auch auf dem Bild genauso versteift an. Deshalb vor dem Shot: Drehe Deinen Kopf weg, entspanne den Mund, schliesse Deine Augen und drehe Dich auf drei dynamisch in die Kamera. Showtime: Augen auf und lächeln!

Zur Nachbearbeitung

«Lieber in die Vorbereitung und das Know-how investieren, statt die Bilder aufwändig nachbearbeiten», legt Alex nahe und ergänzt: «Bitte keine (Snapchat)-Filter oder vergleichbare Funktionen verwenden».

Weiter erklärt er Manuela: «Ein letzter Feinschliff darf sein, solange der Eingriff nicht gross ist.» Die Fotosession der beiden kommt ohne Nachbearbeitung aus: In diesem Artikel sind alle Bilder im Original abgebildet.

Und in die Praxis: Gelingen gute Portraitfotos mit den Tipps?

Alle nun folgenden Fotos haben eins gemeinsam: Die fünf Punkte wurden nicht berücksichtigt. Wo die Fehler stecken, deckt Alex jeweils nach dem Bild in einem kurzen Kommentar auf.

Ist Dir der Fehler klar? Der Profi-Fotograf erklärt: «Direktes grelles Licht im Gesicht gibt Schatten, macht die Augen klein, was nicht offen wirkt, und lässt die Haut glänzen und erröten. Dieser Lichteinfall ist nur bei Morgen- oder Abendsonne zu empfehlen. Ansonsten das Licht von oben abzuschirmen. Zudem ist der Hintergrund unruhig und lenkt vom Portrait ab.»

«Hier wurde direkt in die Sonne fotografiert, die damit wie ein Gegenlicht wirkt. Das Sonnenlicht fällt direkt auf den Hinterkopf von Manuela. Das Handy ist mit der sauberen Darstellung des Hintergrunds, dem Himmel mit Wolken, und einem korrekt belichteten Gesicht im Vordergrund überfordert. Der Himmel ist weiss aufgrund dieser Überbelichtung. Auch hier ist der Hintergrund sehr unruhig, was von Manuela ablenkt», ordnet Alex das Bild ein.

«Der unruhige Hintergrund sticht auch hier wieder ins Auge», fällt Alex direkt auf, als er das Handyfoto von Manuela betrachtet und ergänzt: «Ein genauerer Blick auf das Bild zeigt, dass die Perspektive des Gesichts nicht stimmt. Hier war der Fotograf mit der Handykamera zu nah dran. Das Gesicht wird spitzer, die Nase grösser und die Augen sind nach hinten gewölbt. Der klassische Selfie-Effekt – da ist der Arm auch zu wenig lang, um den nötigen Abstand hinzukriegen.»

Bei diesem Bild erinnert der Ustermer Fotograf an den Tipp der Perspektive: «Ganz wenig von unten zu fotografieren, kann autoritär und selbstbewusst wirken. Hier des Guten aber definitiv zu viel. Von so weit unten ist die Pose nicht vorteilhaft. Nebst dem Doppelkinn will man nicht in die Nasenlöcher sehen und der Hintergrund ist nicht mehr passend.»

«Nebst der unruhigen Zeichnung im Hintergrund ist die frontale Aufnahme nicht dynamisch und wirkt langweilig und gestellt», merkt Alex im Gespräch mit Manuela an. Diese ergänzt mit einem Schmunzeln: «Nun ja, der Gesichtsausdruck könnte auch etwas enthusiastischer sein…»

Apropos Perspektive: «Eine Person von oben zu fotografieren, macht sie mickrig. Hier als Portrait fällt es nicht stark auf, bei Ganzkörperfotos umso mehr», erklärt er.

Wenn Du alle Profi-Tipps beherzigst und die vorgestellten Fehler verhinderst, entsteht schliesslich dieses Foto.

«Wenn auch ich mich noch immer nicht gerne auf Bildern sehe», beginnt Manuela lächelnd ihr Fazit, «doch fotografisch ist daran nicht viel aussetzen, vor allem unter der Berücksichtigung, dass es mit einer einfachen iPhone-Kamera gemacht wurde.»

Wie und wo dieses Portraitbild entstanden ist? Genau gegenüber dem Bahnhof Uster, der Location des Treffens von Alex und Manuela. Trotz Mittagssonne haben beide ein harmonisches Lichtverhältnis geschaffen, weil der weisse Schirm von oben Schatten spendet.

Das zufällig dort parkende, weisse Auto trägt ebenfalls seinen Teil dazu bei. Es gibt Manuelas Gesicht einen Kontrast aufgrund der Reflektion, die rechte Gesichtshälfte ist heller. Der Hintergrund ist ruhig und passt farblich zum Typ und Kleidung.

Die anderen Bilder werden ebenfalls zur gleichen Uhrzeit und genau dort aufgenommen. Zwei Schritte nach vorn und um 90 Grad drehen – und das Bild wirkt komplett anders.

Mit dem iPhone Handy-Fotokurs zum Profi am Smartphone

Wenn Du zum Profi beim Fotografieren mit Deinem Smartphone werden möchtest, empfiehlt sich ein professioneller iPhone Handy-Fotokurs.

Wer zuvor noch mehr Tipps und Kniffe von Alex erfahren möchte, für den hat der Profi-Fotograf noch eine besondere Überraschung parat: «Damit das perfekte Foto mit dem Smartphone gelingt, gibt es dutzende weitere Tipps. Die möchte ich mit Dir teilen - um genau zu sein: 50 Tipps für bessere Handybilder. Ganz umsonst!». 

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